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GERICS Kommentar zum Statement des Deutschen Komitee für Katastrophenvorsorge e.V. (DKKV) "Die Dürre 2018 und ihre Folgen"

Mit dem Wort Katastrophe verbindet man häufig Unfälle, Überflutungen, Flächenbrände, Stürme, oder Erdbeben. Weniger mag man dabei auch an Dürren denken, vermutlich, weil sie über einen längeren Zeitraum stattfinden und die Schäden nur allmählich sichtbar werden.

Trockenrisse und einsame Pflanze auf Acker

Foto: istock/zhuda

Die gesellschaftlichen Schäden von Dürren sind jedoch mit anderen Katastrophen durchaus vergleichbar. Zudem treten Dürreereignisse in Deutschland im Vergleich zu anderen Katastrophen wie Überflutungen oder Stürme seltener auf, so dass wenig Erfahrungen zum Umgang mit Dürren bestehen.

Das Statement des DKKV zur Dürre 2018 und ihre Folgen schärft das Bewusstsein für Dürrerisiken: Statement des DKKV

Das aus einem Workshop am Umweltforschungszentrum Leipzig im Juni 2019 hervorgegangene DKKV-Statement nimmt die Dürre im Jahr 2018 zum Anlass, die Auswirkungen von Dürre in Deutschland zu analysieren und mögliche Maßnahmen zum Umgang mit Dürren zu diskutieren. Die Analyse ist intersektoriell und betrachtet Landwirtschaft, Gewässerhydrologie, und Forstwirtschaft. Es werden relevante Barrieren identifiziert, die der Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen im Weg stehen.

Daraus werden fünf übergeordnete Handlungsempfehlungen abgeleitet:

  1. Förderung von Forschungsaktivitäten zur Strategie- und Anpassungsentwicklung mehrjähriger Dürren, zum Beispiel zur Verbesserung der saisonalen und dekadischen Vorhersage, zur Abschätzung der potentiellen Auswirkungen von Dürren auf Ernteerträge und die Tierhaltung oder die Entwicklung von Strategien zum Pflanzenanbau mit geringerem Wasserbedarf.
  2. Stärkung der Attributionsforschung für Extremereignisse, um den Einfluss des Klimawandels auf das Wetter besser zuordnen zu können und eine breite gesellschaftliche Diskussion der Anpassungsstrategien unterstützen.
  3. Finanzierung von Bildung und Wissenstransfer auf allen gesellschaftlichen Ebenen zur Unterstützung einer faktenbasierten gesellschaftlichen Debatte oder zur Aus- und Weiterbildung in der Forstwirtschaft.
  4. Ausarbeitung koordinierter übersektorialer Präventions- und Anpassungsmaßnahmen zum Beispiel im Bereich Versicherungsschutz und zur Schaffung von Anreizen für angepassten Waldumbau und zukunftsfähiges Waldmanagement.
  5. Gesellschaftliche Debatten als breite Konsensprozesse gestalten unterstützt mittels Foren, Plattformen und Netzwerken.

Auch das GERICS war mit mehreren Wissenschaftlern beim Workshop vertreten, aus dem das Statement in gemeinsamer Abstimmung hervorgegangen ist.

Bereits im April 2019 hatte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BBK die Ergebnisse einer bundesweiten Risikoanalyse zu den Folgen von Dürre und Hitze veröffentlicht:
Pressemitteilung des BBK: Die Folgen von Dürre und Hitze

Die Bewusstseinsbildung für Dürrerisiken und die Entwicklung von vorsorglichen Maßnahmen zum Umgang mit Dürren ist absolut notwendig und muss gestärkt werden. Unter dem Einfluss des Klimawandels sind die bodennahen Lufttemperaturen im globalen Mittel im Vergleich zum vorindustriellem Niveau bereits um etwa 1° C angestiegen. Damit einher gehen großräumige Veränderungen der globalen Zirkulationsmuster, der Verteilung von Niederschlägen und der regionalen Wasserkreisläufe. Auch meteorologische Extreme wie Hitze und Trockenheit treten gehäuft auf. Wenn sich die Erde um ein weiteres Grad erwärmt, werden extreme Wetterlagen häufiger auftreten mit längeren Hitzeperioden und vermehrter Trockenheit, das Risiko für Dürren steigt. Darauf müssen wir uns besser vorbereiten.

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